Süd, Ost-West oder Nord? Die richtige Ausrichtung für Ihre PV-Anlage
Wie stark die Ausrichtung den Ertrag beeinflusst, warum Ost-West-Anlagen beliebter werden und wann sich sogar ein Norddach lohnt – mit Richtwerten.
MeinSolarPlan.de Team
Autor, MeinSolarPlan.de
„Lohnt sich Photovoltaik nur auf einem Süddach?“ – diese Frage hören wir oft. Die kurze Antwort: Nein. Auch Ost-West-Dächer und flach geneigte Norddächer können sich rechnen. Entscheidend ist nicht nur, wie viel Strom eine Anlage insgesamt erzeugt, sondern wann sie ihn erzeugt – und wie viel davon Sie selbst verbrauchen.
In diesem Artikel vergleichen wir die Ausrichtungen, zeigen typische Ertragswerte und erklären, warum Ost-West-Anlagen in den letzten Jahren immer beliebter geworden sind.

Wie stark beeinflusst die Ausrichtung den Ertrag?
Die folgende Tabelle zeigt Richtwerte für Deutschland bei einer Dachneigung von etwa 30 Grad. 100 % entsprechen dem Jahresertrag einer optimal nach Süden ausgerichteten Anlage.
| Ausrichtung | Ertrag im Vergleich zu Süd |
|---|---|
| Süd | 100 % |
| Südost / Südwest | ca. 95 % |
| Ost / West | ca. 80–85 % |
| Nordost / Nordwest | ca. 65–70 % |
| Nord | ca. 55–60 % |
Bei flacheren Dächern werden die Unterschiede kleiner: Bei 10–15 Grad Neigung liefert selbst eine Nordseite noch einen spürbaren Anteil des Süd-Ertrags. Bei steilen Dächern werden die Unterschiede größer. Den genauen Wert für Ihr Dach berechnet der PV-Rechner mit den Strahlungsdaten der EU (PVGIS).
Zur Einordnung: Eine gut ausgerichtete Anlage erzeugt in Deutschland meist 900 bis 1.100 kWh pro kWp und Jahr.
Süddach: maximaler Jahresertrag
Ein Süddach mit 30–35 Grad Neigung liefert den höchsten Gesamtertrag. Die Stromproduktion konzentriert sich allerdings stark auf die Mittagsstunden – genau dann, wenn viele Haushalte wenig verbrauchen und gleichzeitig viele andere Anlagen ins Netz einspeisen.
Ideal für: Haushalte mit Stromspeicher, Wärmepumpe oder E-Auto, das tagsüber lädt.
Ost-West: gleichmäßiger über den Tag
Bei einer Ost-West-Anlage liefert die Ostseite morgens, die Westseite nachmittags und abends Strom. Die Spitze am Mittag ist flacher, dafür ist die Erzeugungskurve breiter und passt besser zum typischen Verbrauch eines Haushalts – Frühstück, Homeoffice, Kochen am Abend.

Die Vorteile im Überblick:
- Höherer Eigenverbrauch: Mehr Strom fällt in Zeiten, in denen Sie ihn selbst nutzen.
- Mehr Leistung auf derselben Fläche: Auf Satteldächern lassen sich beide Dachseiten belegen; auf Flachdächern stehen Ost-West-Module als „Zelt“ dicht beieinander, ohne sich gegenseitig zu verschatten.
- Weniger Mittagsspitze: Seit dem Solarspitzengesetz von 2025 erhalten neue Anlagen bei negativen Börsenstrompreisen keine Einspeisevergütung, und ohne Smart Meter ist die Einspeisung auf 60 % der Modulleistung begrenzt. Eine flachere Mittagsspitze macht sich hier weniger bemerkbar.
Ideal für: Satteldächer mit Ost-West-Firstrichtung, Flachdächer, Haushalte mit Verbrauch morgens und abends.
Norddach: nur flach geneigt sinnvoll
Ein steiles Norddach lohnt sich in der Regel nicht. Bei flachen Neigungen bis etwa 20 Grad kann eine Belegung aber durchaus wirtschaftlich sein – vor allem, wenn die Südseite schon voll ist und Module heute deutlich günstiger sind als noch vor einigen Jahren. Hier lohnt sich eine genaue Ertragsberechnung.
Neigung und Ausrichtung gehören zusammen
Ausrichtung und Neigung sollten Sie immer gemeinsam betrachten:
- Süd: Optimum bei etwa 30–35 Grad
- Ost-West: flachere Neigungen (10–25 Grad) sind günstig
- Nord: je flacher, desto besser
Wie Sie die Neigung Ihres Dachs herausfinden, lesen Sie im Artikel Dachneigung ermitteln.
So vergleichen Sie die Varianten für Ihr Dach
Statt mit Faustregeln zu rechnen, können Sie die Varianten direkt vergleichen:
- Öffnen Sie das kostenlose PV-Planungstool und geben Sie Ihre Adresse ein.
- Legen Sie Module auf die Dachflächen – zum Beispiel einmal nur auf die Südseite, einmal auf Ost und West.
- Tragen Sie die Dachneigung ein. Für Adressen in Berlin und Brandenburg schlägt der Planer Neigung und Fallrichtung aus dem Solarkataster vor.
- Lassen Sie den Ertrag berechnen und vergleichen Sie kWp, Jahresertrag und Monatsverteilung.
Mit einem Belegungsplan in der Hand gehen Sie anschließend gut vorbereitet in die Gespräche mit Installateuren.
Fazit
Ein Süddach ist ideal, aber kein Muss. Ost-West-Anlagen liefern etwas weniger Gesamtertrag, verteilen ihn aber besser über den Tag und passen oft besser zum eigenen Verbrauch. Selbst flache Norddächer können sich lohnen. Entscheidend ist eine Planung, die Ausrichtung, Neigung und Ihren Stromverbrauch zusammen betrachtet.
Mehr dazu: Regionale Preise und Installateure finden Sie unter Solaranlagen in Berlin & Brandenburg.
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